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Unterwasser-Gärtner (Carp
Mirror Ausgabe 04/2005)
Es ist schon acht Jahre her, dass ich das erste Mal einen
schönen Pool in der Nähe von Speyer beangelt habe. Mittlerweile
kann ich den See mit ruhigem Gewissen beim Namen nennen, ohne
dass ich Angst haben muss, dass ich ein Chaos an dem kleinem,
acht Hektar großen, See verursache. Das Chaos ist da nämlich
schon seit einigen Jahren, was auch der Hauptgrund ist, warum
ich dort nicht mehr zum Fischen gehe. Der See heißt Schulgut
und gehört zu drei Seen die im Besitz des Angelvereins Waldsee
sind. 
Damals habe ich durch Zufall von diesem See erfahren. Als
ich am See ankam, untersuchte ich ihn genau, um einen versteckten
Platz zu finden, der sehr produktiv sein sollte. Ein wie zum
Karpfenangeln geschaffener Platz war am Anfang des Sees. Es
war ein Plateau, das bei Niedrigwasser teilweise aus dem Wasser
ragte. Damals dachte ich mir: „Wenn hier irgendjemand auf
Karpfen fischt, dann tut er es hier - folglich kein Platz
für mich! Nach mehreren Stunden Suche entschied ich mich für
einen Platz auf der Waldseite. Die Frage war nur, ob ich das
ganze Tackel 250 Meter durch den Sand schleppe oder alles
mit dem Boot rüber bringe. Der Spot selbst war leicht verkrautet,
aber nach zwei, drei Tauchgängen, hatte ich schon genug freien
Platz geschaffen. Die Uferkante war leicht abfallend bis auf
drei Meter Tiefe, nach ca. zehn Metern vom Ufer entfernt war
es dann steil abfallend auf zwölf Meter.
Auf diesem Spot hatte ich in einem kurzen Zeitraum von nicht
mal zwei Monaten alle große Karpfen aus diesem See schon mehrmals
gefangen. 
Es war schön, ein so absolut jungfräuliches Gewässer zu beangeln.
Nicht mal die Leute, die diesen See bewirtschaftet hatten,
waren sich über dessen Kapazität bewusst. Kein Wunder, es
gab nicht mal einen Karpfenangler in ganzen Verein. Der See
galt als sehr gutes Hecht-, Zander- und Aal-Gewässer. Mit
der Vorstandschaft bin ich sehr schnell nach einer Fischereikontrolle
in Kontakt gekommen. Ich hatte im Sack einen schönen Schuppi
und befürchtete deren mögliche Forderungen, dass ich den Schuppmann
eventuell töten musste!
Aber das Gegenteil traf ein, der Kontakt mit diesen Leuten
verlieh mir ein Gefühl, das man als Karpfenangler in Deutschland
selten erlebt. Eine junge Vorstandschaft, freundlich, bereit,
neue und fortschrittliche Dinge zu akzeptieren und zu übernehmen,
und, und, und...
Nach kurzer Zeit hatte ich mit dem Jugendwart (heute zweiter
Vostand) einen Crashkurs für deren Jugendliche gehalten und
es war wirklich schön mit diesen Leuten zusammenzuarbeiten
und dort zu angeln. 
Aber alles hat ein Ende und so auch die Idylle und Ruhe an
diesem See. Dafür reicht ein Camper (sorry, ich will nicht
alle Camper schlecht machen), der einen Karpfen fängt und
gleich zu Tode quält und sich dann noch damit wichtig macht.
Dennoch sind die Leute aus der Vorstandschaft weiter so nett
geblieben.
Damals wusste ich schon, dass die nächste Sesson nicht einfach
wird. Dass sich noch einige andere Karpfenangler hier mit
ihrer gesamten Artelerie einnisten werden und dass die Gutmütigkeit
der „Pächter“ missbraucht werden wird - und so kam es auch!
Mein Hobby und meine Leidenschaft ist das Karpfenangeln und
in keinem Fall das „Fächten“. Deswegen habe ich mich entschlossen,
diesen See nicht mehr zu befischen, obwohl ich für die geleistete
Arbeit mit deren Jugend vom Verein Waldsee eine Jahreskarte
geschenkt bekommen hatte. Der Kontakt und die Freundschaft
zu einigen Leuten wurde aber weiter gepflegt, so dass ich
diese am Neckar als Gastgeber empfangen durfte.
Trotz einiger Meldungen über gute Fänge aus diesem See wollte
ich bei dieser „Schlacht“ nicht teilnehmen. Bis ein Bild in
einer Zeitschrift erschien, auf dem ein Karpfen mir sehr bekannt
vorkam - nur hatte er auf dem Bild einige Kilos mehr. Die
Kollegen haben folglich sehr gut gefüttert und die Fische
sind gut abgewachsen. 
Mit diesem Karpfen hatte ich mein ganz persönliches Problem,
denn ich hatte ihn schon zweimal gefangen und besitze trotzdem
kein gutes Foto von ihm. Das erste Mal hat mich der Onkel
meiner Frau fotografiert - das war für die Katz!
Das zweite Mal ...hä... wenn ich nur daran denke... könnte
ich wieder lachen und heulen gleichzeitig. Ich wollte ihn
im Wasser fotografieren und kaum hatte ich die Abhakmatte
mit dem „Kerl“ auf dem Wasser abgelegt, schoss er wie aus
der Kanone gefeuert ins Wasser und verabschiedete sich ohne
„tschüss“ und ohne Foto.
Es war Sommerloch-Zeit und am „Schulgut“ herrschte Ruhe, zumindest
was das Karpfenangeln angeht - die Badegäste waren hyperaktiv.
Genau zu dieser Zeit wollte ich es noch einmal versuchen,
meinen Schuppenfreund zum Fototermin zu überreden.
Mit einer gewissen Menge Boilies und guter Hoffnung bin ich
einfach hingefahren. Ohne groß zu überlegen, hatte ich mich
wieder für meinen alten Platz entschieden. Folglich ging es
wieder über den Sandstrand und um einige „Bergchen“ herum
(ja, die „obenohne Titten“ und „Tanga-Popo’s wälzen sich da...)
in Richtung Wald. Von dort konnte ich mit der Hand meine Boilies
genau auf den Spot verstreuen.
Aber der Spot sah irgendwie nicht mehr so wie früher aus,
ich konnte den kiesigen Grund nicht erkennen - es schien alles
ziemlich verkrautet zu sein. 
Na ja, zurück ins Auto - über und um die schon erwähnten schönen
„Berge“ und das kleine Desant-Boot holen.
Als ich über dem Spot war, wurden meine Befürchtungen bestätigt.
Kraut ohne Ende und es kam mir vor, als hätte ich den Schwarzwald
unter mir. Es gab nicht einen Quadrat-zentimeter, der in diesem
Bereich frei von Kraut war. Hier hatte vermutlich in der Zeit
meiner Abwesenheit keiner gefischt - das ist gut!
Da ich mit dem Boot schon da war, verstreute ich noch einige
Boilies, in der Hoffnung, dass sie von Karpfen in diesem Unterwasserdschungel
gefunden werden.
Wieder am Ufer angekommen, habe ich meinen Freund Udo aus
Waldsee angerufen und schilderte ihm mein Problem. Wie immer
war er sofort bereit mir zu helfen und bot mir einen Rechen
an, den
sie im Verein auch zum Freimachen verkrauteter Plätze benutzten.
An diesem Tag konnte ich aber nichts mehr arbeiten, da die
Schmerzen in meiner rechten Hand immer stärker wurden, ich
litt unter einem „Kapaltunell-Syndrom“ und zwar im fortgeschrittenem
Stadium.
Die Schmerzen wurden immer unerträglicher und der OP- Termin
war noch acht Tage entfernt. Da gab es nur, Augen zu und durch!
Am nächsten Tag war ich gleich nach der Arbeit schon im Auto
unterwegs zum 75 Kilometer entfernten „Schulgut“. Dort wartete
schon Udo, um mir Instruktionen zu geben, wie man mit dem
Rechen umgeht. Das ist nicht jedermanns Sache und natürlich
hätte er mir auch geholfen. Zuerst dachte ich, dass die ganze
Arbeit aus dem kleinen Boot zu erledigen sei. Doch sobald
sich der Rechen im Kraut verfangen hatte und ich an dem Strick
zog, hat sich das Boot gleich über den Spot begeben und ich
konnte gar nicht den Spot abrecheln.
Es gab nur die Möglichkeit, den Rechen am Spot abzulassen,
dann zum Ufer zu paddeln, mit der linken oder rechten (abwechselnd
wegen der Schmerzen) Hand an einer Baumwurzel festhalten und
mit der anderen Hand den Strick zu ziehen. So habe ich den
ersten Teil meines Spots von Kraut befreit. Danach schmerzte
die rechte Hand - kurze Pause bitte!
Die steilere Kante musste ich vom Ufer aus im sogenennten
„Rechenwurf-Stil" sauber machen. Nur gut, dass ich eine
Zeitlang auch Handball trainiert hatte - Speerwerfen wäre
aber besser gewesen!
In jedem Fall dachte ich nach ungefähr einer Stunde Arbeit,
dass ich den Spot einigermaßen krautfrei habe. Denn schließlich
lag am Ufer ein ordentlicher Berg (nein, nicht „Bergchen“)
aus Kraut und meine Hand schmerzte noch mehr. 
Zur Sicherheit und trotz gewaltiger Schmerzen in der rechten
Hand entschloss ich mich noch einmal zu tauchen, um zu sehen,
wie es unten aussieht. Jedoch musste ich noch warten, bis
sich der aufgewirbelte Schlamm etwas abgesetzt hatte, was
auch meiner Hand gut tat.Mit Taucherbrille, Schnorchel und
Flossen ging es in die Tiefe! Der Spot war noch nicht ganz
sauber und befischbar. Es lagen noch einige Krautfelder direkt
an der Stelle, an der ich die Montagen präsentieren wollte.
Folglich noch einmal den Rechen in die Hand genommen und dann
war „Unterwassergärtnerei“ angesagt. Das ist die prädestinierteste
Methode den Spot krautfrei zu machen, aber auch die schwierigste
- und dann noch mit diesen Schmerzen!!!
Nach fast vierstündiger (schwerer) Arbeit war der Spot wieder
so wie ich ihn kannte und meiner Meinung nach sollte er so
auch wieder produktiv werden. 
Noch mal gefüttert und ab nach Hause über die... nein heute
waren die „Bergchen“ (leider) nicht da - es war Montag. Schade,
man könnte sich daran gewöhnen darüber zu hüpfen.
Danach kam eine dreitägige Futterkampagne - freitags ließ
ich es dann ausfallen, denn da bin ich nur ungern auf der
Autobahn und nur wegen dem Füttern eventuell stundenlang im
Stau stehen wollte ich mir nicht antun. Die Angelaktion war
nur für Samstag angesagt.
Samstags war ich dann am späten Nachmittag am See und "außer"
ein paar Allroundanglern und "nur" hunderte von
Badegästen war niemanden zu sehen.
Am anderen Ufer, nahe meines Platzes, sah ich statt schönen
„Bergchen“ so etwas wie einen „See-Elefant“ am Walzen. Ein
Grund mehr an diesem Ufer zu bleiben und die Montagen mit
dem Boot rauszubringen.
Bis ich alles aufgebaut hatte, waren auch die Badegäste deutlich
weniger geworden und die Schnüre wurden sowieso mit Absenkbleien
ein bisschen „tiefergelegt“.
Kurz vor dem Dunkelwerden hatte ich meine Montagen auf dem
Spot postiert und
um sie noch einige Boilies verstreut. Auf beiden Ruten hatte
ich eine Snowman-Präsentation, da ich aus Erfahrung weiß,
dass das erstens hier funktioniert und zweitens an Gewässern
mit viel Kraut oder Schlamm Snowman ein „Muss“ ist.
Es war alles bereit und ich machte es mir auf meiner Liege
gemütlich, um mit einem Kumpel, der ein paar Kilometer entfernt
angelte, zu telefonieren, als sich mein linker Bissanzeiger
meldete. Aber nicht so wie man es will oder erwartet - nur
ein Piep und dann alle 20 Sekunden noch einer! Oh nein, dachte
und sagte ich, es wird doch nicht eine Brasse sein. Es war
aber eine, die ich ohne jeglichen Wiederstand einkurbelte,
trotz derer beachtlichen Größe - was für ein Schlappfisch!
Oder hatte sie nur Rücksicht auf meine Schmerzen in der Hand
genommen?
Neuen Hakenköder drauf und ab Richtung Spot. Dank der hellen
Beleuchtung des Vollmondes war es nicht schwierig die Rute
genau abzulegen. Noch bei Tageslicht hatte ich mit zwei kleinen
Schwimmern mit Mini-Betalights den Spot markiert.
Da um den ganzen Spot Krauturwald ist, habe ich meine Safety
Clips so präpariert, dass mein Kugelblei nur so lange dran
bleibt, bis der Fisch gehakt ist. Danach fällt es ab, und
der Drill ist weniger gefährlich und viel schöner.
Mit „Ach und Krach“ kam ich bis ans Ufer und als die „Waffe“
wieder „scharf“ war, habe ich das unterbrochene Gespräch mit
meinem Kumpel fortgesetzt. Jedoch nicht mehr lange, da ich
von lauter Schmerzen nicht mehr reden wollte. Wir verabschiedeten
uns mit der Abmachung, dass, wenn einer etwas fängt, der andere
zum Fotografieren kommt.
Kurz vor dem Einschlafen konnte ich ein „Jumper“ direkt an
meinem Spot erörtern. Der Schlaf war nicht von langer Dauer,
denn der Dauerton meines (wieder linken) Bissanzeigers riss
mich aus meinen Träumen. Meine Rute konnte ich von der Liege
aus in die Hand nehmen. Bis ich aber aus dem Schlafsack raus
war und richtig kapiert hatte, was da los war, hatte der Freund
am anderen Ende schon seine Bahnen durch das Kraut gezogen.
Der Widerstand war sehr groß, und ich spürte, dass der Kontrahend
seine Chance im Kraut sah. Es blieb mir nichts übrig, als
ins Boot zu springen und mich schnellstmöglich an den Fisch
ranzuziehen.
Der Mond stand in seiner voller Pracht auf dem höchstem Punkt
und ich gleitete über die glatte Wasseroberfläche in Richtung
anderes Ufer. Schnell hatte ich den Kämpfer an der kurzen
Leine, jedoch an aufgeben dachte er nicht. An meine Hand dachte
er auch nicht, und ob ihr mir glaubt oder nicht, es kamen
an einem Moment die Gedanken, die Rute mit dem Fisch ins Wasser
zu lassen - es war einfach unerträglich.
Mit Stöhnen und Beten, dass er aufgibt, habe ich die Rute
abwechselnd links und rechts gehalten.
Das erste Drittel meiner 2 lb Rute war ständig im Wasser und
ich spürte wie er immer noch ziemlich tief war und durch die
Krautsäulen durchzog - ich hoffte nur, dass die Schnur das
aushält. Nach allen ausgesprochenen Gebeten und anschließenden
Schimpfwörtern, von mir zeigte er sich. Die spiegelglatte
Wasseroberfläche wurde von einem ziemlich großen Schuppenkarpfen
durchbrochen. Dank der fast taghellen Verhältnisse konnte
ich sehen und vermuten, dass es sich um einen Volltreffer
handelte.
Jetzt nur noch die Ruhe und Kraft bewahren und den Kampf bis
zum Ende bringen. Noch ein paar Mal die Hand wechseln und
das Ding ist im Kescher - ich wusste nicht, ob ich vor Freude
oder vor Schmerzen schreien sollte - ich schrie wegen beidem.
Nun stand mir die Rückfahrt bevor - in einem kleinem Boot,
das deutlich überladen und Einhand-Betrieb war. Mir kam es
vor, als wäre ich auf dem Meer und würde das Land nie mehr
erreichen. Ich dachte: Wenn ich nur aufstehen könnte, um mir
ordentlich in den Ars.. zu treten, dass ich mich wegen eines
Fisches auf solche Schmerzen einlasse.
Aber der Fisch war im Kescher und es war vermutlich mein Zielfisch.
Das gab mir einen Kraftschub sowie Anestesie und einarmig
kam ich irgendwie bis zum Ufer.
Nach kurzem Ausruhen wollte ich den Schuppmann genauer betrachten
und wiegen. Dank einiger Merkmale, die er hatte, konnte ich
feststellen, dass es sich um die „Person“ handelte, die ich
gesucht hatte.
Nur das Gewicht stimmte nicht - ich meine von unserer letzten
Begegnung. Er hatte zwei Kilo zugelegt und die standen ihm
sehr gut. Ich habe den Fisch ordentlich versorgt und dann
meinen Kumpel über meinen Fang verständigt. Die Rute habe
ich nicht mehr rausgebracht - Mission erfüllt!
Gott sei Dank, dass die andere Rute doch in irgendeinem Krautwuschel
ab-
gelegt oder verzogen war und ich keine Aktionen mehr hatte
- es wäre viel zu viel gewesen.
Am frühen Morgen (bevor die ersten Neugierigen rauskamen),
stand wie ausgemacht mein Kumpel da. Ich nahm den wunderschönen
Fisch in die Arme, um die Fotoformalitäten schnell zu erledigen
und siehe da - sein Körper hatte eine Wunderwirkung. Die
Schmerzen in meiner Hand waren wirklich in diesem Moment ganz
weg. Ich kam aber schnell aus der Trance zurück und der Schuppi
auch schnell zu seinem Element.
Am nächsten Morgen lag ich schon auf dem Operations-Tisch
mit ausgestrecktem Arm und der Onkel Doc hat seine Arbeit
getan. Nach zwei weiteren Tagen hatte ich die Schmerzen schon
ganz vergessen. Dennoch erinnere ich mich gerne wieder an
diese „versüßten Schmerzen“, da sie mir gezeigt haben, dass
sogar bei einem Hobby nicht alles ganz leicht ist. Manchmal
muss man sich eben sehr anstrengen und das sogar wegen ziemlich
einfacher Dinge - ich hoffe, dass das Bericht einige dazu
bewegen wird.
Nicht arbeitsscheu sein - Tight Lines.
Eurer Tomi Popovic
alias Toma Karp
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