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DIE UCKERMARK - WASSER OHNE ENDE
von Stefan Reichert
-Als ich vor etwas mehr als zwanzig Jahren
als kleiner Junge mit dem Angeln begann, konnte niemand ahnen,
dass es einmal ein so großer Bestandteil meines Lebens werden
wird. Ich hatte das Glück in einer vom Wasser geprägten Landschaft
aufzuwachsen, der Uckermark. Von kleinen Tümpeln bis hin zu
Hunderten von Hektar großen Seen kann man dort alles vorfinden.
Die großen Gewässer befinden sich meist in der Hand von Berufsfischern
während die kleineren eher dem DAV angehören. Ausnahmen bestätigen
jedoch auch hier die Regel. Karten sind so gut wie überall
erhältlich. Mit den meisten Fischern kann man über Preise
und Möglichkeiten reden. Und nebenbei erwähnt: in den zwanzig
Jahren meines Anglerdaseins hatte ich genau einmal das Glück
Zielperson einer Kontrolle zu werden! Einschränkungen und
Verbote halten sich sehr in Grenzen. Nur mit wichtigen Grünen
hat man hin und wieder etwas Stress. Oftmals saßen wir tagelang
an Gewässern im Wald ohne das ein Mensch zu sehen war (bei
etwa 400 Seen kein Wunder).
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-Viele Gewässer die einen guten Karpfen
und Amur Bestand beherrbergen. |
Dem Karpfenangler öffnen sich hier unglaubliche
Wege, die ich über all die Jahre hinweg zum Teil selber gehen
durfte. Eine Vielzahl von Seen war zu DDR Zeiten tabu, da
sie als Intensiv- oder Produktionsgewässer genutzt wurden.
Der Karpfen war Fisch Nummer 1 in so gut wie allen von ihnen,
so dass etliche Gewässer über einen guten Altbestand verfügen.
Da mich jedoch Beruf und viele andere Sachen zeitweise sehr
eingespannt haben, blieb meist nur wenig Zeit Herr der Lage
zu werden. Noch dazu kommt, dass auch in der Uckermark das
Prinzip der Geheimhaltung stark praktiziert wird. Wenn man
alles selber herausfinden muss braucht man hier eigentlich
zwei Leben. Das fängt mit der Location an und hört auf mit
dem Befischen an verschiedenen Stellen. Aber ich hatte dort
gute Freunde, ob Carphunter oder nicht.
Ein Boot ist an fast allen der Seen ein Muss (!), wenn man
nicht zu sehr eingeschränkt Fischen möchte. Einige Meter breite
Schilfgürtel, Seerosenteppiche oder einfach komplett zugewachsene
Ufervegetation machen dem Angler nahezu überall das Leben
schwer.
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-Und viele davon sind Naturseen mit dem
Naturufer und viel Wasserpflanzen. Schwer zum Angeln,
aber es lohnt sich. |
Da das Ruten raus schleppen, außer neuerdings
an DAV- Seen (Dank neuer Gewässerordnung), nirgends ein Problem
mehr ist, gibt es beinahe grenzenlose Möglichkeiten. Die ersten
Jahre tat ich das leider Gottes noch mit eigener Kraft und
wenn sich dann so ein toller Schwarm von Grasern oder Weißfischen
auf dem Platz breit gemacht hat, hatte man am Ende Arme wie
Poppey.
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-Einer von den dicken Grasern. |
In nur einer Nacht habe ich es geschafft 18(!!!!)
Mal 300 Meter hin und zurück zu rudern, aber es war geil!
Wenn man bedenkt, dass ich vorher sechs Wochenenden abgeblankt
habe und noch mal drei weitere Wochen vergingen bis der erste
Spiegler auf der Matte lag, war es schon Wahnsinn.
Wenn man sich ab und an den Vereinsseen widmet, darf man sich
über einen guten Bestand an Fischen in allen Größen freuen.
An jenen Gewässern habe auch ich sehr klein angefangen bis
ich mich durch Zuwachs an Erfahrungen an 100+mehr Hektar große
Seen getraut habe. Zum Thema anfüttern kann ich nur eins sagen
und zwar das ich oft erstaunt war wie schnell und vor allem
wie viel Weisfischschwärme vom Platz abräumen können.
Um die Karpfen erst einmal auf den Futterplatz aufmerksam
zu machen zog ich große Mengen gekochten Mais anfangs vor.
Wenn sich Karpfen einstellten fütterte ich fast nur noch Boilies
und ein zwei Hände Mais dazu. Aber das Füttern sollte auch
hier wie überall den Umständen entsprechend angepaßt werden.
Letzten Endes hat jeder seine eigene Meinung zu dieser Thematik
und das ist gut so.
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-Schöner und kompakter Spiegler. |
Vielleicht trifft man sich ja mal im größten
Landkreis Deutschlands, der Uckermark, oder unternimmt zusammen
einen Trip dorthin. Meine Frau und ich werden in Zukunft leider
auch nur Gäste in der Uckermark sein (durch berufsbedingten
Umzug nach Baden-Württemberg), doch wir hoffen, so oft wie
möglich dort ein paar Tage zu verbringen. Die nächste Herausforderung
in unserer neuen Heimat habe ich bereits entdeckt: den Neckar!
Dank der Hilfe von Tomi P. , der mich hier freundlich begrüßt
und viel unterstützt hat (erlebt man nicht überall oder besser
eher selten), sehe ich dem sehr positiv entgegen.
Über Fischgewichte habe ich bewusst nichts geschrieben. PS:
es gibt richtig dicke und schöne. Und vor allem: viele! Man
muss nur wissen, wo!
MFG and BIG CARP
Stefan Reichert
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