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Carping am Fluß mit TK Extreme Back
Leads
von Christian Steiner
Es begab sich im Frühling 2004, als ich nach einigen langen
und anstrengenden Arbeitswochen ein paar Tage am Neckar Karpfenfischen
wollte. Donnerstag abend fuhr ich gut gelaunt von Rosenheim
los über München, doch plötzlich vernahm ich ein wohlbekanntes
Geräusch - mein Handy! Ein Kunde wollte noch an diesem Abend
Material von mir geliefert haben. Also Kommando zurück in
mein Lager, Ware in den PKW, zum Kunden geliefert, und erneut
startete ich eine 400 KM Anfahrt zum Neckar, dem Ziel meines
Angeltrips. Endlich, es war mittlerweile weit nach Mittenacht,
kam ich müde und erschöpft am Fluß an. Ich fütterte noch einen
mir gut bekannten Spot, und dann suchte ich mir rasch einen
Schlafplatz. Am nächsten Tag hatte ich noch geschäftlich in
der Heidelberger Gegend zu tun, so hieß es früh raus aus den
Federn, voller Vorfreude auf den am Abend beginnenden Fischzug.
Am darauffolgenden Abend fuhr ich nach getaner Arbeit motiviert
an meinen präparierten
Spot ans Neckarufer, doch leider hatten bereits einige Kollegen
den Platz in Beschlag genommen. War ich am Vorabend nicht
aufmerksam genug beim Füttern gewesen? Egal, ich überlegte,
wo ich auf die Schnelle für die nächste Zeit einen erfolgsversprechenden
Platz finden könnte. Da fiel mir eine markante Stelle ein,
die mir in der Vergangenheit schon schöne Fiche bis 32 Pfund
einbrachte. Diese Fische konnte ich dort entweder an meiner
eigenen Uferkante oder in der Flußmitte fangen. Der Neckar
hat an dieser sehr auffälligen Stelle eine verhältnissmäßig
große Breite (ca. 150 mtr.), und ich konnte auf einer Distanz
von über 100mtr bereits des öfteren große Karpfen beim Rollen
und Springen beobachteten. Dies war in den Jahren 2002 + 2003,
und ich scheute mich damals, diese offensichtlichen Hotspot`s
anzuwerfen, da ich genau wußte, mit meinen normalen Methoden
würde ich zwangsläufig Probleme mit der Schiffahrt bekommen.
Natürlich hatte ich es versucht, diese Spot`s auf der großen
Distanz zu befischen, auch war ich mir sicher, daß dort die
Allrounder mit Ihrem Equipment keine Chance hatten, ihre Fallen
auf diese Entfernung zu platzieren. Doch
obwohl ich das Pod in die unterste mögliche Position brachte
(teilweise waren die Rutenspitzen bereits unter Wasser), hatte
ich doch viele Abrisse, bedingt durch den hier herrschenden,
starken, Schiffsverkehr. So blieb auch der erste Abend, an
dem ich einmal an der eigenen Kante und einmal in der Flußmitte
mein Glück versuchte, ohne Erfolg, doch konnte ich im ersten
Büchsenlicht, wiederum gerade noch in Wurfweite, einige Karpfen
beim Durchbrechen der Wasseroberfläche beobachten, darunter
einige richtig gute Exemplare. Fieberhaft überlegte ich den
ganzen Freitag, wie ich diese Rüssler effektiv beangeln konnte,
ohne wieder in die leidigen Konflikte mit den Lastkähne zu
geraten. Ein Absenkblei wäre die Lösung, doch mir waren zu
diesem Zeitpunkt nur Ausführungen mit geringen Gewichten bekannt.
Ein paar davon hatte ich sogar in meinem Rucksack, doch der
Praxistest zeigte deutlich, daß diese Modelle einfach viel
zu leicht waren, schon der erste Kriegerkahn spülte es weg
wie nichts.
Am Abend gesellte sich Uwe zu mir, in der Absicht ebenfalls
noch ein paar Stunden zu angeln. Nach kurzer Begrüßung schilderte
ich ihm mein Problem, und ohne zu zögern, holte er ein Absenkblei
aus seiner Tacklebox. Es war das EBL (Extrem Back Lead) aus
dem Programm vonTommi Popovic. Auf den ersten Blick bemerkte
ich neben der idealen Form für ein Absenkblei das auffallend
schwere Gechicht, 180 Gramm! Sofort machte sich leichter Optimismus
bei mir breit, doch noch zum Erfolg zu gelangen. Nachdem ich
die
Montagen auf den Long-Distance-Spot`s ausgebracht hatte, klinkte
ich das EBL in die Hautschnur unterhalb der Rutenspitzen ein.
Wichtig hierbei ist, das anschließend das EBL am tiestmöglichen
Punkt des Gewässergrundes abgesenkt wird, nur so spielt es
seine volle Effektivität aus. Die Sicherungsleine wird am
besten mittels eines Häringes am Ufer befestigen. Beim Absenken
kann ein Angelkollege oder bei Flachwasser im Uferbereich
eine Wathose oder Watstiefel nützlich sein. Am Anfang sollte
man zwei- ode dreimal üben, den Schnurclip optimal zu justieren.
Er sollte so leicht wie möglich eingestellt sein, dennoch
erst beim Anhieb die Leine freigeben. Wenn alles paßt, liegt
die Schnur zwischen EBL und unserem schweren Festblei dicht
am Gewässergrund, und keine Schiffsschraube und kein Bootsrumpf
kann uns jetzt noch stören! Ideal hierbei ist es, die komplette
Montage gefühlvoll zu straffen, die Rutenspitzen sollten leicht
durchgebogen sein. Bei einem vorbeifahrenden Lastkahn wirken
die leicht gebogenen Rutenspitzen quasi als "Puffer".
Unsere Hautpschnur wird bei dem auftretenden Sog der Schiffschrauben
noch dichter zum Grund bzw. zur Seite hin gepreßt. Ein effektives
Festbleifischen ist dank dieser innovativen Absenkbleie jetzt
einwandfrei möglich, ja man kann mit den EBL sogar regelrecht
um die Ecke angeln! Eine herkömmlich gestraffte Montagen,
bei der unsere Leine quer duch alle Wasserschichten verläuft,
wirkt wegen der Strömung und der Schiffahrt wie ein Unterwassersegel,
sehr zu unseren Ungunsten! Die Rigs driften oft soweit ab,
bis ein unlösbarer Hänger das Resultat ist.
Ein weiterer Vorteil der EBL ist der, daß die auf den Gewässergrund
abgesenkte Montage mit Sicherheit produktiver ist, da gerade
die Kapitalen ja teilweise schon öfters mit gestrafften Schnüren
in Kontakt geraten sind (z. B. im Drill...) und assozieren
aus diesem Grund gestraffte Schnüre instinktiv mit Gefahr.
Der Grund, warum ich Tommi`s EBL wirklich reinen Gewissens
empfehlen kann, erreignete sich übrigens
am darauffolgenden Sonntagmorgen: Ich war gerade kurz eingenickt,
als ich einen Run auf dem Long-Distance-Spot erhielt. Mit
klopfendem Herzen sprang ich zur Rute. Deutlich sichtbar verlief
die Schnur senkrecht von den Rutenspitzen nach unten, das
EBL war also noch eingeclippt. Beim Anhieb klinkte sich dies
jedoch einwandfrei aus, und nach heftigem Drill konnt ich
einen Schuppi mit über 36 Pfund keschern. Ein Traumfisch,
mein zweitgrößter Neckarcarp, mein größter Neckarschuppi,
und mein erster EBL-Carp.

Keep on waiting!
Euer Christian Steiner
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